Fotogeschichten

Rückkehrerinnen und Resümees III – #1 – RR

Über die Unmöglichkeit, sich dem Einfluss der Neuen Grafschaft Hanau-Münzenberg gänzlich entziehen zu können

Erzählrunde 1

Szene I: Der Ernst der Lage

1039 Wörter, 5 Minuten Lesezeit.

1 Foto.

Céline: Wir sind vollzählig, Mädels. Juliettes weißer Twingo naht heran.

Madeleine: Eeeeeeeeeennnnnnnnnndlich! Wurde langsam Zeit!

Aurélie: Stehe mir mittlerweile beide Beine in den Bauch.

Coralie: Juliette steigt mit Nathalie aus. Meine Güte, zwei frustrierte Gesichter.

Madeleine: Ihr klärendes Gespräch mit Chefin Laura verlief offenbar ergebnislos.

Juliette: Sorry, ihr Lieben, die Diskussion mit unserer genialen Vorsitzenden dauerte länger.

Madeleine: Hey, erzählt. Was meinte Laura?

Juliette: Vergiss es.

Céline: Heißt, keine Abstimmungswiederholung.

Juliette: Nicht mal Diskussionen darüber duldet sie. Bin dermaßen enttäuscht! Und wütend!!!!!

Nathalie: Du tust Laura Unrecht, Süße.

Juliette: Und wieso, bitte?

Nathalie: Lauras Handlungsspielraum, relativ begrenzt. Überleg. Die Letzte Generation beschließt offiziell, fortan auf Straßen keinerlei medienwirksamen Klebstoff-Aktionen mehr durchzuführen. Somit erscheint es eigentlich logisch, dass Die letzten Schwimmer als unbedeutendes lokales Randstück im großen bundesweiten Gesamtpuzzle diese Entscheidung zeitnah mittragen.

Coralie: Hört mal zu. Erste Überschrift, kleingedruckt:

Radikaler Strategiewechsel

Zweite Überschrift, fettgedruckt:

„Letzte Generation“ will die direkte Konfrontation.

Nathalie: Was zitierst du?

Coralie: t-online vom 30. Januar 2024. Hatte den Bericht interessehalber als Favorit hinzugefügt.

Céline: Zeig mal.

Coralie: Hier.

Céline:

Sie wollen nicht mehr kleben: Das haben die Klimaaktivisten der „Letzten Generation nun in einem Statement angekündigt.

Okeeeee…

Aurélie: Sondern?

Céline: Deutschlands bekannteste Klimagruppe favorisiert ab diesem Monat bundesweite Aufrufe zu Protestformen zivilen Ungehorsams. Der Paradigmenwechsel besteht demnach also im Verzicht auf extreme Miniteam-Aktionen zugunsten friedlichen Widerstands größerer solidarischer Handlungsgemeinschaften.

 „Von nun an werden wir in anderer Form protestieren – unignorierbar wird es aber bleiben. Ab März werden wir zu ungehorsamen Versammlungen im ganzen Land aufrufen“, teilte die Gruppe am Montag in Berlin mit. Und weiter: „Statt uns in Kleingruppen aufzuteilen und Straßenblockaden zu machen, werden wir gemeinsam mit vielen Menschen ungehorsame Versammlungen machen.“ Das „Kapitel des Klebens und der Straßenblockaden endet damit“.

Madeleine: Wir haben März.

Aurélie: Den 29. März 2024, um genau zu sein.

Madeleine: Exakt vierundzwanzig Stunden lang.

Céline: Ferner sucht LG künftig vermehrt die hautnahe Auseinandersetzung mit den Zuständigen.

Coralie: Was bedeutet hautnahe Auseinandersetzung mit den Zuständigen konkret?

Céline:

Außerdem wolle man „die Verantwortlichen für die Klimazerstörung in Zukunft verstärkt direkt konfrontieren“ und dazu Politiker und andere Entscheider „öffentlich und vor laufenden Kameras zur Rede stellen“, hieß es weiter.

Darüber hinaus planen sie, ihre bisherige öffentliche Präsenz vor Ort zu intensivieren.

„Zum anderen werden wir verstärkt Orte der fossilen Zerstörung für unseren Protest aufsuchen, so wie es in der Vergangenheit schon bei Protesten an Öl-Pipelines, Flughäfen oder dem Betriebsgelände von RWE der Fall war.“

Madeleine: Ziehen die eigentlich ein Klebe-Fazit?

Céline:

Die Aktivisten ziehen in ihrer Mitteilung Parallelen zwischen ihrem Protest und anderen großen Bewegungen aus der Vergangenheit: „Egal, ob wir das Erstreiten des Frauenrechts, das Ende der Segregation oder das Erkämpfen von Arbeitsrechten betrachten: Um eine Wende hin zu einer gerechteren und menschlicheren Gesellschaft zu schaffen, war historisch neben anderen Beteiligungsformen unserer Demokratie auch immer hartnäckiger Protest unverzichtbar.“

Aurélie: Klingt für mich spontan nach eingeknickt.

Céline: Sieht man dort freilich anders.

Um auf das eigene Anliegen – die Folgen des menschengemachten Klimawandels – aufmerksam zu machen, sei das Festkleben der richtige Weg gewesen. So habe man „nicht direkt von der Straße gezogen werden“ können. Seitdem habe sich die Anzahl der Protestierenden verhundertfacht.

Hier, Süße, dein Smartphone, mit bestem Dank zurück.

Madeleine: Falls eingenickt dennoch zutrifft – nachvollziehbar. Bedenken wir, solche Extremformen – innerhalb unserer Gesellschaft höchst umstritten.

Coralie: Meine Vermutung, LG möchte auf diese Weise drohenden Rechtskonsequenzen ausweichen. Sozusagen am selbst erzeugten Imageproblem gescheitert.

Aurélie: Apropos gescheitert. Interessanterweise verwendet Österreichs Tageszeitung Die Presse in ihrer Online-Ausgabe diepresse.com am 19. Februar 2024 denselben Ausdruck. Überschrift:

Die Klimakleber sind gescheitert

Gerade zufällig entdeckt.

Juliette: Na, super! Ahnte das Laura 2023 nicht im Voraus? Versetzt euch in unsere Lage. Ein ganzes verd*mmtes Sche*ßjahr lang, zwölf verd*mmte Sche*ßmonate, schuften sechs ehemalige Hofdamen Ihrer Durchlaucht Bernadette Constanze Amalia Gräfin von Hanau-Münzenberg Gräfin von Bernstein-Mechthild zu entwürdigenden Konditionen für Ausbeuter Andy in Nieder-Rodens China-Mauer. An jeweils beiden Händen hässliche Schwielen! Übel! Nichtsdestotrotz, die ehemaligen Ehrenjungfern Nathalie und Juliette halten ihrer vom Schicksal vorherbestimmten Überzeugung unverbrüchliche Treue, planen akribisch DIESEN ersten klebrigen Einsatz in Hanau. Ha, der 01. Februar 2024! Dennis Kevins protziges Schlosstor -teils aus 999er Feingold- wird Rodgaus Zorn zuerst treffen! Wie wir den letzten Arbeitstag, den 31. Januar, das Ende des Sklavinnendaseins, herbeibeteten! Aber neeeeeeeeeeiiiiiiiiiinnnnnnnnnn, Die letzten Schwimmer, GENAU am selben Datum, GENAU am 31. Januar 2024, fällt achtundfünfzig von sechzig Stimmberechtigten nichts besseres ein, als sich dem LG-Votum per Handzeichen kniefällig anzupassen! Duckmäuserin Lauras schluchzender Appell wirkte: „Bitte, Leute, bitte, bitte, seid unbedingt für den Änderungsantrag!“

Nathalie: Bleib fair, Juliette. Laura übt ihr anstrengendes Amt kompetent aus.

Juliette: Bestreite ich das?

Nathalie: Klimafreundliche Politik war ihr als regelmäßige Teilnehmerin bei Fridays for Future bereits in der 7. Klasse extrem wichtig.

Juliette: Herzensanliegen Nummer 1.

Nathalie: Antworte ehrlich. Benötigte Laura bei ihrer Kandidatur irgendwelche Zusatzqualifikationen als Staatlich geprüfte Diplom-Wahrsagerin? Wir traten den Schwimmern im Februar 2023 bei. Im Februar 2023 vermochte wirklich kein Mitglied vorherzusehen, dass sich Die letzte Generation vor den Kipppunkten innerhalb eines Jahres hinsichtlich Fragen zur weiteren Agenda-Umsetzung neu positionieren würde. Im Gegenteil, spektakuläre Klebeblockaden besaßen damals Hochkonjunktur.

Juliette: Verd*mmt, ich fühle mich von den Schwimmern total ver*rscht!!!!!

Aurélie: Was hast du vor, wohin rennst du?????

Juliette: Kapiert ihr’s weiterhin nicht????? Es besteht dringendster Handlungsbedarf!!!!! Dennis Kevin stoppen!!!!! Absolutistischem Größenwahn JETZT Einhalt gebieten!!!!!Grafschaft Hanau-Münzenberg raus aus Rodgau!!!!! Die letzten Schwimmer MÜSSEN kleben!!!!! Die letzten Schwimmer MÜSSEN blockieren!!!!! Schaut hin!!!!! Schaut hin!!!!!

Dort drüben hinterm Zaun lag einst unser geliebtes Klein Tahiti!!!!!

Madeleine: Du, Süße…

Juliette: Oder wollt ihr für YouTube, Instagram, Tik Tok, megage*le Videos produzieren, wenn der südliche Hang des Sees infolge unkontrollierter Kiesförderung abrutscht, und das Wasser komplette Wohngebäude verschlingt???? Das Gutachten!!!!! Die Bodenstabilität entlang der Südseite nähert sich allmählich einem höchst bedenklichen Zustand!!!!!

Madeleine: Juliettes temperamentvolles Engagement in Ehren, allerdings hörte ich Amalias vornehme Hofdame im September 2022 -so um den Dreh- anders daherreden.

Coralie: Im September 2022 -so im den Dreh- klangen deine Worte nämlich folgendermaßen: „Lang lebe Dennis Kevin I. von Gottes Gnaden Graf von Hanau-Münzenberg!“

Céline, Madeleine, Aurélie: Hipp hipp hipp hurra! Hipp, hipp, hipp, hurra! Hipp, hipp, hipp, hurra!

29. 04. 2026

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