Szene VI: Von einem Bahnsteigende zum anderen
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Fiona: Mama?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Oh, mein Gott, Schnattchen, Gottseidank, fühle mich unendlich erleichtert, zum Glück erwische ich dich noch rechtzeitig in Ober-Roden, versprich mir, du fährst unter gar keinen Umständen weiter, sondern nimmst umgehend die nächste S-Bahn zurück, augenblicklich, du bist doch hoffentlich noch in Ober-Roden?
Friederike: Typisch, quasselt los wie ein Wasserfall.
Fiona: Nein, schon in Dieburg.

Wir stehen momentan auf Gleis 4, schauen Richtung Darmstadt.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Dieses lesbische Mädchen, kein guter Umgang für dich.
Fiona: Worin besteht eigentlich dein Problem, Mama?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Oh, mein Gott, Schnattchen, mir fallen tausend zentnerschwere Steine vom Herzen! Befürchtete schon, du seist in Münster festgenommen worden!
Fiona: Ungelogen, Mama, im Moment ungünstig. Larissa hat uns versetzt. Wir beratschlagen.
Fionas Mutter: Ich wusste es! Dieses lesbische Mädchen tut dir nicht gut, Schnattchen! Elsa, die Cousine deines Freundes, wäre zuverlässig gewesen! Probiert es wenigstens nochmal miteinander! Vertrau Mamas langjähriger Lebenserfahrung! Differenzen bleiben keinem Paar erspart! Auftretende Probleme rechtzeitig erkennen, offen ansprechen, Meinungsverschiedenheiten positiv klären, darin besteht wahres Beziehungsglück!
Fiona: Sorry, Mama, kein Gesprächsbedarf.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Aber, Kind, wegen lösbarer Unstimmigkeiten schmeißt frau sich doch nicht gleich an eine aus der Jahrgangsstufe 12 ran!
Fiona: Und hör gefälligst auf, ständig über mein Privatleben bestimmen zu wollen! Ich bin zwanzig! Zwanzig, Mama, verstehst du? Und Friederike ist achtzehn! Und ja, wir lieben uns – falls es dich überhaupt interessiert!
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Aber…Schnattchen…
Fiona: Mama…bitte…nicht weinen…bitte…verzeih mir…
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Deine Mutter quälen daheim schreckliche Sorgen.
Fiona: Erklär, Mama, was ist los?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Als du längst unterwegs warst, rief Axel zum gemütlichen Plaudern an.
Fiona: Schön.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Beiläufig von mir über eure Pläne informiert, reagierte er schockiert.
Fiona: Und wieso?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Nachrichten, Zeitungen, Newsfeeds, für meine Tochter böhmische Dörfer, seit sie mit diesem lesbischen Mädchen herumzieht?
Fiona: Mama, werde endlich deutlicher!!!!!
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Zweifellos scheint an dieser dubiosen Ysenburg-Sache ja unter anderem Trump beteiligt zu sein. Und weil Trump offensichtlich mitmischt, meint Axel, gilt für die Sonderverwaltungszone seit dem 01. März 2025, für die sukzessiv aus ihr hervorgegangene Grafschaft Philippseich-Ysenburg seit dem 01. April 2025, derselbe verschärfte Einreisevorgang wie derzeit in den USA. Auffällig, im selben Zug passte Komplize Dennis Kevin I. die bislang in seiner Grafschaft Hanau-Münzenberg geltenden Bestimmungen per Edikt zum 01. März 2025 entsprechend an.
Fiona: Für Pässe und Visa bemühte sich in Münster niemand zu uns ins Abteil. Kannst erleichtert aufatmen, Mama.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Sag unserem Herrgott dafür augenblicklich Dankeschön, Schnattchen! Augenblicklich! Ihr zwei könntet in menschenunwürdiger Abschiebehaft sitzen! Gekleidet wie Verbrecherinnen!
Friederike: Deine Mutter dramatisiert gewohnheitsmäßig.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Ach, Fräulein? Nennen Sie das so? Schnattchen, du verkennst den Ernst der Lage. Nur durch Axel weiß ich vom Fall Giovanna di Medici.
Fiona: Giovanna di Medici?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Eine junge Frau aus Neapel, die am 27. März 2025 über Hanau Hauptbahnhof in die Grafschaft Hanau-Münzenberg einreisen wollte, um gegen freie Verpflegung und Unterkunft ihrer Cousine, einer frischgebackenen Mami, im Haushalt tatkräftig beiseite zu stehen. Italiener helfen bekanntlich einander gegenseitig.
Fiona: Unentgeltliche Tätigkeiten gegen kostenlose Versorgung, klingt doch gut.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Giovannas fataler Fehler am Einreiseschalter, gültigen Touristenvisa zu vertrauen.
Fiona: Kapiere null.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Obgleich der Nachweis mühelos gelang, forderten Beamte weiterhin das angeblich hierfür erforderliche Arbeitsvisum. Festnahme. Handschellen klickten. Vorwurf: illegaler Einwanderungsversuch!
Fiona: Ääääähhhmmm…okeeeee…
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Seitdem vegetiert die Neapolitanerin in roter Kleidung in einer Kellerzelle unterhalb des Hauptbahnhofs dahin – ohne Rechtsbeistand. Einzig und allein Schloss Philippsruhe entscheidet. Absolutistische Tyrannei, Schnattchen!!!!!
Fiona: Darüber kam nie etwas in den Medien.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Weil sie vertuschen, Schnattchen. Das Stichwort Abschiebehaft birgt Unmengen Zündstoff. Wie ein Damoklesschwert bedroht es all jene, welche aus unterschiedlichsten Gründen in die Grafschaft Hanau-Münzenberg möchten oder müssen. Deshalb darf Deutschlands Bevölkerung unter gar keinen Umständen unnötig in Empörung oder gar Aufruhr versetzt werden. Konkreter Hintergrund, JD Vances Äußerungen auf der Münchener Sicherheitskonferenz zum Thema Brandmauer beziehungsweise Meinungsfreiheit. Berlin befürchtet, eine wegen Giovanna di Medici wütend aufkochende öffentliche Stimmung könnte Alice Weidel erheblichen politischen Nutzen bescheren.
Friederike: Pssssst…habe Brisantes entdeckt.
Fiona: Du, Mama, nicht auf Dieburgs Bahnhof. Friederike und ich beratschlagen. Lass uns zu Hause diskutieren. Sei bitte unbesorgt.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Versprich mir, Schnattchen, heimwärts bist du in Münster besonders vorsichtig. Mag sein, bloß drei Kilometer Transitstrecke, dennoch, Durchquerung fremden Territoriums. Falls Grenzbeamte nachhaken, antwortet höflich und charmant: „Wir fahren nur Transit.“ Idealerweise auf Französisch.
Fiona: Und warum ausgerechnet auf Französisch?
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Französisch macht stets einen guten Eindruck. Wie in der Grafschaft Hanau-Münzenberg ist dort Französisch zweite Amtssprache.
Fiona: Versprochen, Mama. Auf Französisch. Hab dich ganz doll lieb.
(Handylautsprecher, Fionas Mutter): Drücke dich gaaaaannnnnz, gaaaaannnnnz feste, Schnattchen.
Fiona: Rasch, erzähl, was gibt’s Spannendes?
Friederike: Stieß eben auf folgende Geschichte. Am Bericht deiner Mutter könnte einiges dran sein. Hör aufmerksam zu. nordisch.info titelt am 16. März 2025:
Rucksack-Touristin Rebecca Burke aus Wales
Horror-Trip in USA: Britische Urlauberin wegen Visum seit 16 Tagen in Haft
Fiona: Rebecca Burke?
Friederike: Bereits nach der Eingangsfrage überlegst du dir Reisen ins Ami-Land gründlich.
Noch Lust auf eine Studienreise ins „Land of the Free“? Nein, wird nach dem Ende ihres ganz persönlichen Horror-Trips mit Sicherheit die Britin Rebecca Burke sagen.
Fiona: Lass mich raten, sie wurde irgendwo wegen illegaler Einreise festgenommen.
Friederike: An einem Grenzübergang bei der Ankunft aus Kanada. Anlass, eine Visa-Lappalie.
Grund für ihre Inhaftierung in einem Abschiebezentrum in Washington State sind Visaprobleme, die in Normalzeiten völlig easy zu lösen sein sollten. Aber was ist in den USA schon normal, seit Donald Trump wieder in Amt und Würden ist? Offenbar so gut wie nichts.
Fiona: Tja, Trumps angekündigte harte Einwanderungspolitik fordert erste Opfer.
Friederike:
Burke jedenfalls, eine Grafikdesignerin aus Monmouthshire in Wales, wollte „nur“ von Kanada aus in die USA einreisen, um dort gegen Kost und Logis bei einer Gastfamilie leichte Haushaltsaufgaben zu erledigen. Ein bisschen einkaufen, in der Küche helfen, mit dem Hund gehen. Solche Sachen eben.
Doch an der Grenze wurde Rebecca Burke die Einreise verweigert. Sie konnte nämlich lediglich ein Touristenvisum vorlegen, hätte laut der zuständigen US-Behörde für ihre unspezifischen und nicht monetären Helfertätigkeiten aber ein Arbeitsvisum benötigt.
Fiona: Erstaunliche Parallelen zu Giovanna di Medici. Beide Frauen teilen miteinander dasselbe Schicksal.
Friederike: Auch was Sträflingsklamotten betrifft.
„Sie trägt einen orangefarbenen Gefängnisanzug“, berichtet Paul Burke weiter. „Sie fühlt sich völlig isoliert und verzweifelt. Sie will einfach nur noch nach Hause, hat aber keinen Zugang zu juristischem Beistand.“
Fiona: Besitzt du Updates?
Friederike: Lautbild.de vom 02. April 2025 erfolgten mittlerweile Entlassung sowie Abschiebung – nach insgesamt fast drei Wochen; die Britin, vom Erlebten gezeichnet.
Nach 19 Tagen in Haft wurde sie nach England abgeschoben. Seit dem 22. März ist Rebecca wieder zu Hause. Sie erhole sich nur langsam von den traumatischen Erlebnissen, erklärte ihr Vater.
Und wie die Verfasserin anhand der Überschrift andeutet, kein bedauerlicher Einzelfall.
Albtraum bei Einreise
Sie wollten in die USA und landeten im Abschiebe-Knast
Neben Rebecca Burke werden weitere Beispiele angeführt.
Fiona: Meine Güte, dreh dich mal um.

Sind wir während unserer Quatscherei tatsächlich bis hierher gelaufen?
05. 05. 2026
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