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II – #10 – RR

Szene X: Weiterer Heimwegverlauf 1

1661 Wörter, 9 Minuten Lesezeit.

1 Foto.

Ex-Hofdamen Nathalie, Juliette, Sandrine: ABER, FABIENNE, SCHOCK!!!!!

Ex-Hofdame Sandrine: Na ja, wenigstens zum Abschied sanft lächelnd durchs Fenster gewunken.

Ex-Hofdame Nathalie: Küken hat sich von Angélique übers Ohr hauen lassen; bestimmt log Madame l’insatiable ungeniert das Blaue vom Himmel herunter.

Ex-Hofdame Juliette: Ehrlich, Mädels, bin megaenttäuscht; derart naiv kann wirklich kein Mensch sein.

Ex-Hofdame Sandrine: Andererseits, letztlich ihre Entscheidung.

Ex-Hofdame Nathalie: Außerdem, was hätten wir machen sollen? Waghalsig versuchen, den SUV aufzuhalten?

Ex-Hofdame Juliette: Sie wird sich in Hanau rasch umgucken.

Ex-Hofdame Nathalie: Allerspätestens bei Constanzes nächstem verschwörungstheoretischem Anfall.

Ex-Hofdame Sandrine: Der SUV rauscht davon.

Ex-Hofdame Nathalie: Entschwindet unseren Blicken

Ex-Hofdame Juliette: Um an der Ampel rechts abzubiegen.

Ex-Hofdame Sandrine: Richtung B45.

Ex-Hofdame Juliette: Empfehle, wir bequatschen dieses Thema später. Möchte endlich heim ins Warme.

Ex-Hofdame Nathalie: Bei mir genauso.

Ex-Hofdame Juliette: Okay, Süße, nehme mit Nathalie den Feldweg.

Ex-Hofdame Sandrine: Oki. Bis denne, Mädels!

Ex-Hofdamen Nathalie, Juliette: Ciaaaaaooooo!

*****

Ex-Hofdame Sandrine: Bevor’s alleine weitergeht, gedankliche Lagebesprechung. Also. Situation eindeutig. Vom Auto nichts mehr zu sehen. Tja, die wären auf und davon. Hm, ob dieser ge*le SUV wohl Élisabeth gehört? Egal. DU überquerst gleich die ‚Rodgau-Ringstraße‘, läufst anschließend zielstrebig geradeaus weiter. Bald bist du daheim. Idiotische ‚Grafschaft Hanau-Münzenberg‘. Los geht’s. Latsch, latsch, latsch. Idee! Du nutzt die Gelegenheit, um nochmals das vor Abreise einstudierte Gnadengesuch zu memorieren. Sandrines dramatischer Appell. Mit seiner Hilfe hofft sie inständig, jenes grässliche, Aurélie, Coralie, Madeleine und Céline zugefallene Putzfrauenschicksal abzuwenden.

„Papa! Mama! Verzeiht mir! Alles in der Welt! Alles! Nur nicht anderer Leute Treppenhäuser, Waschküchen, Treppengeländer, Vordächer, Eingangstüren, Treppenhausfenster reinigen! Mama! Papa! Ich flehe euch als eure in Sünden gefallene Tochter an! Vergebt mir! Um der Liebe Christi willen! So erniedrigend! So schmutzig! So erschöpfend!”

Hm, reicht das aus? Du solltest vielleicht die Dramatik optimieren. ‚Hang zur Dramatik‘. Das erste Kollabo-Album von Hiob und Morlockk Dilemma. Genau, Hiob, ‚Drama Konkret‘. Sich vor Mama und Papa weinend zu Füßen werfen! Halt! Vorher tränenüberströmt auf den Knieen rutschen! Händeringend! Oh, mein Gott! Panik vor anstrengender Arbeit zerfrisst mein Gehirn! Oh, mein Gott! Was meinte Coralie am Smartphone? Ein Jahr lang als Reinigungskraft für Gebäudeinnenreinigung? Mindestlohn? Ernsthaft? Ernsthaft! Alle vier akzeptierten. Freilich, gezwungenermaßen. Andernfalls hätten ihre Eltern sie in hohem Bogen wieder rausgeworfen. Nieder-Roden! ‚China-Mauer‘! Die Armen! Nein, nein, nein, nein, ich will keine Treppenhäuser reinigen! Und Waschküchen erst recht nicht! Obwohl…obwooooohl…zwölf Monate vergehen bekanntlich. Neeeeeeeeeeiiiiiiiiiinnnnnnnnnn, das überleeeeeeeeeebe ich nicht!!!!! Ich werde im Staub versiffter Treppenhäusern sterben!!!!! Iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhh, und in Waschküchen lauern immer so besonders eklige Spinnen!!!!! iiiiiiiiiiiiiiiiiiiihhhhhhhhhh, am Ende springt mir eine auf den Kopf!!!!! Sche*ße, du besitzt keinerlei Optionen, Sandrine! Kapier’s, du hast null Optionen, Sandrine!!!!! Zusammenreißen. Tragische Opernarien bringen nix. Jesus hat auch nicht hingeschmissen. Weiterlatschen. Den Leidenskelch trinken. Latsch, latsch, latsch. Apropos Sch*ße eben. Zweifelte ja gewaltig am Sinn des gemeinsamen nachmittäglichen Toilettengangs. Constanze sowie acht Hofdamen – zeitgleich nebeneinander! Mon dieu, Besuche von beziehungsweise bei Angélique erhöhten die Anzahl auf insgesamt vierzehn – sie plus ihre eigenen Vier. Hielt derartige Rituale stets für arg spinnert – beinahe grenzwertig. Schlagartig jedoch verkörpert das Beisammensein im WC-Raum für mich nachträglich intensive, inniglich zusammenschweißende Solidarität unter Frauen. Teilen intimster Momente. Voll langweilig, fortan hocke ich allein im Bad. Gewöhnungsbedürftige Vorstellung. Kein Getuschel durch neugierig einen Spalt beiseitegezogene Seidenvorhänge, kein Gekicher, keine ermutigenden Worte für die eine oder andere. Warum bloß vermisse ich all dies plötzlich? Warum? Warum? Warum? Apropos ‚Warum?‘. Dieser Gehweg für Fußgänger – unmöglich! Kann unsere Stadt den nicht mal teeren? Es ist anstrengend und ermüdend, Trolleys auf Schotter und Sand zu ziehen! Noch ungefähr hundert Meter Entfernung bis zur ‚Rodgau-Ringstraße‘. Wo die Baumreihe steht. Eine Tortur! Eine Zumutung!

Schau’s dir an! Typisch, für wichtige Maßnahmen fehlt das Geld! Egal. Jedenfalls werde ich -anders als Verräterin Fabienne- nicht wie ‚Rotkäppchen‘ vom rechten Weg abkommen. Latsch, latsch, latsch.

*****

Nanu? Noch ein weißer SUV? Offenbar äußerst beliebtes Modell. Steht seelenruhig seitlich des Wegkreuzes. Hintere Fensterscheibe runtergelassen. Egal, vorwärts, die Fußgängerampel für ‚Grün‘ drücken und rüber über die ‚Rodgau-Ringstraße’…halthalthalthalt… spinne ich?????

La Pompadour: Naaaaaaaaaa…bonjooooouuuuur…tous va bien? Freust dich bereits riesig auf Putzeinsatz Nummer 1, geeeeell?

Ex-Hofdame Sandrine: Ich will nichts mit dir zu tun haben!!!!!

La Pompadour: Pourquoi si insolent, ma chère?

Ex-Hofdame Fabienne: Lass mich gefälligst in Ruhe, Angélique!!!!!

La Pompadour: Zeig doch in Clothildes Anwesenheit wenigstens einen kleinen Funken Anstand, Schätzchen, nenn mich frank und frei La Pompadour.

Ex-Hofdame Sandrine: Äääääääääähhhhh…

La Pompadour: Höre ebenso gerne auf Madame l’insatiable.

Ex-Hofdame Sandrine: Äääääääääähhhhh…

La Pompadour: Ulkiger Zufall…spähe gerade auf die Uhr… Coralie, Céline, Madeleine, Aurélie, seit 07.00 Uhr leiden sie qualvoll in der berüchtigten China-Mauer. Unter uns, möchte jetzt wirklich für kein Geld Welt mit denen tauschen. Füge bitte Korrekturen hinzu, sollte ich falsch liegen.

Ex-Hofdame Sandrine: WOHER WEISST DU…?????

La Pompadour: Andere witzeln: Chinesische Mauer.

Ex-Hofdame Sandrine: MIESE VERRÄTERIN!!!!!

La Pompadour: Ball flachhalten, Schätzchen. Sieh nur, wie Fabienne sich mit glückseligem Gesicht entspannt an mich schmiegt.

Ex-Hofdame Sandrine: AMALIA UND DU…IHR…IHR…IHR…HABT VORGESTERN MEIN PRIVATGESPRÄCH MIT CORALIE ABGEHÖRT!!!!!

La Pompadour: Denkst du, wir sind Amateure?

Ex-Hofdame Sandrine: MIST!!!!! MIST!!!!! MIST!!!!! MIST!!!!! HÄTTEN WIR UNS VON BERNADETTE NUR NICHT DIESE FÜR ROCKENBERGS SCHWARZMARKT BESTIMMTEN SMARTPHONES AUFSCHWÄTZEN LASSEN!!!!! MIST!!!!! IHR SEID SO UNFAIR!!!!!

La Pompadour: Und wie hoch ist aktuell dein Wohlfühlfaktor, Schnuckelpupsi?

Ex-Hofdame Sandrine: Schnuckelwaaaaas?????

Ex-Hofdame Fabienne: Haaaaach, Schnuckelpupsi, ich fühle mich an deinem Busen so unendlich wohl.

Ex-Hofdame Sandrine: Schnuckelwaaaaas?????

La Pompadour: Jetzt komm mal ganz, ganz, ganz, nahe zu mir ans Fenster, Süße. Keine Angst, Madame l’insatiable beißt gewiss nicht.

Ex-Hofdame Sandrine: Kurzfassen, ich möchte nämlich weiter.

La Pompadour: So ist’s prima, Süße.

Ex-Hofdame Sandrine: Was willst du von mir?

La Pompadour: Hand aufs Herz. Ganz ehrlich. Wenn Sandrine tief in sich hineinhorcht, ins tiefste Innere ihres empfindsamen Frauenherzens, fühlt sie etwas Wunderschönes.

Ex-Hofdame Fabienne: Was fühle ich?

La Pompadour: Die Reaktionen von Fabienne und dir damals beim Vorstellungsgespräch in Schloss Wilhelmsbad. Eure Gestik. Eure Mimik. Unmerklich, ja, dennoch eindeutig. Aus falscher Scham heraus wolltet ihr natürliche Dinge geschickt überspielen. Tatet verstört. Tatet pikiert überrascht. Vergeblich. Manche Wahrheiten stechen sofort hervor. Die Art eures „entrüsteten“ Errötens. Jedes einzelne Gesicht – einfach, simpel zu lesen wie aufgeschlagene Zeitschriften. Bernadette und ich waren im Nu über euch im Bilde. Gleichgeschlechtlich liebende Frauen erkennen solche Merkmale.

Ex-Hofdame Fabienne: Wovon laberst du eigentlich?

La Pompadour: Wenn du in diesem Moment, in diesem Augenblick ehrlich zu dir selbst bist, ehrlich zu deiner drängenden Sehnsucht stehst, steigst du ein. Dein Platz neben Clothilde ist extra für dich reserviert.

Ex-Hofdame Sandrine: Gar nicht wahr, gar nicht wahr, ich stehe nicht auf Clothilde, ich bin nicht lesbisch!!!!!

Marquise d’Auteuil-Billancourt: Oh, regarde comme Sandrine rougit, comme c’est mignon!

La Pompadour: Ausschließlich du gibst dich ahnungslos? Sowohl in Schloss Philippsruhe als auch in Schloss Wilhelmsbad pfeifen es von Beginn an sämtliche Spatzen von den Dächern.

Ex-Hofdame Sandrine: Ich…ich…ich…

La Pompadour: Selbst für niedriges Hofpersonal unübersehbar, wenn ihr auf dem Parkgelände, abgesondert in einem lauschigen Eckchen, beim tête-à-tête lebhaft miteinander flirtet. Eure unverwechselbaren endlosen Phasen albernen Herumkicherns, mehrmals kurz unterbrochen von prustendem Auflachen, eure ausgelassenen, verspielten Neckereien, deutlicher vermögen füreinander Bestimmte ihre gegenseitige Zuneigung kaum offenzulegen.

Ex-Hofdame Sandrine: Adélaïde…je…je…je…je…

La Pompadour: Hey, du zitterst richtig vor innerer Erregung. Gib herzlichem Verlangen einen Stoß. Gewähre authentischen, unverfälschten weiblichen Gefühlen Freiheit; so wie es 1778 Eleanor Charlotte Butler und Sarah Ponsenby taten, gleichermaßen bekannt als Ladies of Llangollen.

Marquise d’Auteuil-Billancourt: N’aie pas peur s’il te plaît. Je conduis très doucement et prudemment, promis.

Ex-Hofdame Sandrine: Ich…zögere…ich…ich…

La Pompadour: Glückwunsch!!!!!

Ex-Hofdame Angélique: Freue mich sooooo sehr, Sandrine!

La Pompadour: Meine Güte, sieh nur, Kuschelmaus, die scheuen gegenseitigen Berührungen an den Wangen. Na, die beiden hat’s aber mächtig erwischt!

Ex-Hofdame Fabienne, La Pompadour: Hihihihihi!

La Pompadour: Und nachher in Schloss Philippsruhe, sobald du dich anständig umgezogen hast, sprich, wenn du endlich, endlich, endlich wieder zivilisierte, menschenwürdige, ansehnliche höfische Kleidung des 18. Jahrhunderts trägst, gönnt ihr Turteltauben euch ungestört den so lange herbeigesehnten ersten Kuss.

Ex-Hofdame Sandrine: Aber…Amalia…ihr völlig verwirrtes Gerede… neuerdings der Schwachsinn mit Trumps Geheimaufenthalt in der Grafschaft Hanau-Münzenberg…seine triumphale Rückkehr 2025 ins Präsidentenamt. Angélique, ernsthaft, welcher Amerikaner wählt im November 2024 noch Trump? Die Welt ist heilfroh, ihn los zu sein. Und außerdem, zu alt für eine zweite Amtszeit. Trump weiß selber, dass er endgültig weg von der politischen Bühne ist.

La Pompadour: Psssssssssst…vertrau Ludwig XIV.!

Ex-Hofdame Sandrine: Aber…

La Pompadour: Pssssssssst…vertrau Bernadette!

Ex-Hofdame Sandrine: Meinst du, Angélique?

La Pompadour: Süße, die US-Wahl 2020, von Biden auf Befehl der Acht Weltkaiser manipuliert. Ich lege feierlich meine Hand dafür ins Feuer, The White House, übernächstes Jahr zieht Trump dank Dennis Kevins freundlicher Unterstützung erneut ein – größer, stärker, mächtiger als je zuvor. Zugegeben, seine erste Amtszeit, mehr oder weniger improvisiert; vermutlich rechnete er sich 2016 selbst kaum Chancen aus. Wehe dir, Erdkugel, ab Januar 2025 wird strahlend leuchtender Absolutismus dich das Fürchten lehren!

Ex-Hofdame Sandrine: Aber…meine edle robe à la polonaise…sie ist noch im Wald…

La Pompadour: Keine Sorge, im Nouveau Château de Versailles beinhaltet Sandrines Garderobe mehr davon als Amalias vornehme Ehrenjungfer jemals elegant zu tragen imstande ist; wenn dir allerdings emotional viel daran liegt, schickt Constanze morgen jemanden vom Mobilen Dienst zum Holen.

Ex-Hofdame Sandrine: Danke, Angélique. Und, bitte, verzeih mir, wenn ich hinter deinem Rücken schlecht über dich geredet habe.

La Pompadour: Schwamm drüber, Süße. Deine herzallerliebste Favoritin vermag es ehrlich gesagt kaum auszuhalten, ihre entzückende Auserwählte als Constanzes wahrhaft standesgemäß gekleidete Ehrenjungfer bewundern zu dürfen. Und ich stimme mit Élisabeth vollkommen darin überein, als Lappen schwingende Putzmamsells verschwenden überstürzt geflohene Hofdamen für Berlin und Brüssel bloß wertvolle Zeit – Zeit, Geld sowie Energie. Du bist zu Höherem berufen. Du bist Botschafterin des ancien régime. Du repräsentierst Ludwig XIV.. Du repräsentierst französische Hofkultur. Du repräsentierst absolutistische Standfestigkeit. Du repräsentierst den absolutistischen Herrscher als Vermittler zwischen Himmel und Erde. Du repräsentierst das gottgewollte feudale Ordnungssystem.

Ex-Hofdame Fabienne: Haaaaach, Sandrine, und du spiegelst das wundervolle Porträt einer ihrem Geschlecht besonders innig, außerordentlich zärtlich, zutiefst erotisch verbundenen Frau.

Ex-Hofdame Sandrine: Oh, Adélaïde, je t’en prie, conduis-moi, rossignol bienne-aimée, je languis de tes lèvres!

04. 04. 2026

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