Fotogeschichten

III – #4 – FP

Szene IV: Sundowner

1083 Wörter, 6 Minuten Lesezeit.

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Hofdame Veronique: Jaaaaa, lacht nur. Ihr werdet bald sehen, wozu die Liebe zwischen Mann und Frau fähig ist!

Hofdame Sylvie: Süße, wir haben lediglich dein Bestes im Sinn.

Hofdame Yvette: Du rennst offenen Auges ins Unglück.

Hofdame Chantal: Gaukelst dir selbst etwas vor.

Hofdame Yvette: Redest Flop-Dates schön.

Hofdame Chantal: Unterliegst tragischen Selbsttäuschungen

Hofdame Veronique: Unsinn! Ich weiß genau, WAS ich will und WAS ich tue!

Hofdame Sylvie: Sicher?

Hofdame Yvette: Deine Schilderungen – widersprüchlich.

Hofdame Yvette: Einerseits erfahren wir, dass ihr beide seit Klein-Auheim von Amors Pfeil unrettbar getroffen seid; andererseits gestehst du freimütig, euer Treffen mit -Zitat- „gemischten Gefühlen“ beendet zu haben. Daraus schlussfolgert Sherlock Holmes logisch: Trotz offenkundiger Begünstigung durch Aphrodite und Cupido bist du dir vom Bauchgefühl her ziemlich unsicher.

Hofdame Chantal: Und daher sollte frau bei solch wichtigen Fragen explizit ihrem Bauchgefühl folgen, immerhin geht’s um deine Zukunft.

Hofdame Veronique: Irgendwie reden wir aneinander vorbei, kann das sein?

Hofdame Sylvie: Streitest du eigene Aussagen ab?

Hofdame Veronique: Ganz im Gegenteil. Ich wiederhole. Beim Verlassen der Basilika plagten mich Unmengen mulmiger Gedanken.

Hofdame Sylvie: Veronique stürzt sich selber ins Verderben.

Hofdame Yvette: Verliebt, verlobt, verheiratet, geschieden, alleinerziehend. Ende des Liebesmärchens.

Hofdame Veronique: NEEEEEIIIIINNNNN!!!!! EIN FÜR ALLE MAL, MEINE KOMISCHEN EMOTIONEN HATTEN NICHTS, KAPIERT IHR, ABSOLUT NICHTS MIT FLORI ZU TUN!!!!!

Hofdame Sylvie: Ich verstehe gar nichts mehr.

Hofdame Chantal: Und mit wem dann, bitteschön, falls du meine Frage gestattest?

Hofdame Veronique: Flori hat mir reinen Wein eingeschenkt.

Hofdame Yvette: Zum größten Bedauern sieht er sich außerstande, dauerhaftes Princess-Treatment bieten zu können; euer verschobenes gastronomisches Luxus-Diner sprengt sein studentisches Budget bereits im Vorfeld auf unbestimmte Zeit.

Hofdame Veronique: Laber, laber! Wenn’s das wäre, damit könnte ich notfalls leben; draußen existieren genügend Jungs, die meine anspruchsvollen, kaum erfüllbaren Wünsche mit Handkuss von den Lippen ablesen.

Hofdame Sylvie: Ja, ist klar.

Hofdame Yvette: Mach’s doch nicht unnötig spannend, Süße; wir sterben vor Ungeduld!!!!!

Hofdame Veronique: Es ging über Dennis Kevin, Constanze, und überhaupt, die Grafschaft Hanau-Münzenberg ganz allgemein. Stellt euch vor, Mädels, Flori stand 2018/19 in Dennis Kevins Diensten. Unglaublich!!!!!

Hofdame Chantal: Ist jetzt nicht wahr.

Hofdame Veronique: Bei meiner Hofdamenehre. Mister Right übte 2018/2019 einen dieser gutbezahltesten Nebenjobs speziell für deutsche Oberstufenschüler und Studenten aus; kein Hanau-Münzenberger täte dies freiwillig.

Hofdame Chantal: Transporteur pour les crottes des chevaux? Wo du mit Eimer plus Schaufel bewaffnet auf Straßen und Plätzen unvermeidbare Hinterlassenschaften von Kutschenpferden aufsammelst?

Hofdame Veronique: Nein.

Hofdame Sylvie: Pièce d’échecs vivante? Wo du als geschlagener Bauer den mit gezücktem Schwert auf dich zustürmenden Bischof um Verschonung anflehst – und vom geistlichen Feudalherrn trotzdem unbarmherzig niedergemacht wirst?

Hofdame Veronique: Ne.

Hofdame Yvette: Peinture vivante? Wo du als Jean-Antoine Watteaus Gilles wahrlich Nerven wie Drahtseile benötigst, wenn die Hofgesellschaft Tomaten haarscharf an dir vorbeiwirft, um die Standhaftigkeit jenes auf dem Gemälde wie angewurzelt dargestellten Pierrots zu testen?

Hofdame Veronique: Fehlanzeige.

Hofdame Yvette: OH MEIN GOTT, NICHT ETWA…?????

Hofdame Sylvie: Falle in Ohnmacht!

Hofdame Veronique: Weeeeeeeeeehhhhheeeeeeeeee, eine kommentiert!!!!! Schließlich gab’s besagte Tätigkeit schon in Versailles; folglich historisch korrekt imitiert.

Hofdame Sylvie: Er…er…er…er…er…war Garçon-de-pis????

Hofdame Chantal: Weißt du, was du da sagst, Süße????? Garçon-de-pis – ekligster Nebenjob, den Hanau-Münzenberg sich vorstellen kann!!!!!

Hofdame Veronique: Unsinn. Du musst bloß auf Zuruf mit dem Behältnis ran. Deine jeweiligen Einsätze, erfreulicherweise kurz. Gutes Geld -ganz entscheidend- gibt’s obendrein. Und oft erfährst du beiläufig, worüber hohe Herrschaften debattieren.

Hofdame Sylvie: Bin schockiert.

Hofdame Veronique: Außerdem, Mädels, ihr überseht, zu uns eilt unterwegs -beispielsweise beim Spaziergang auf dem Mainuferweg zur Staustufe Mühlheim– per dezentem Fingerschnipp analog eine Fille-de-pis helfend herbei.

Hofdame Yvette: Oder wenn wir im Schlosspark zu faul zum
Reingehen sind.

Hofdame Chantal: Zwischen bedient werden und bedienen bestehen bekanntlich haushohe Unterschiede.

Hofdame Veronique: Schlage vor, wir diskutieren später darüber.

Hofdame Sylvie: Hast Recht, komme um vor Wissendurst, was euer Kirchendate anbetrifft.

Hofdame Veronique: Unser Aufenthalt in St. Marcellinus und St. Petrus – alles andere als romantisch.

Hofdame Sylvie: Ohje.

Hofdame Veronique: Flüchtige Begrüßung vorm Hauptportal. Von Flori mitgebrachte Hektik springt sofort auf mich über. Seine Mimik
ängstlich und besorgt, als laste immenser Druck auf ihm. Mehrmals ruckartiges Zurückblicken auf die Gasse; dieser Trick soll offenbar potentielle Verfolger enttarnen. Dann. Wie aus heiterem Himmel. Damit wir schleunigst vom einsehbaren Vorplatz verschwinden, wendet er ohne Vorwarnung physische Gewalt an, schiebt Amalias Ehrenjungfer ruppig durch die Eingangstür. Richtig grob!!!!! Unfähig zum schreienden Protest lasse ich meinen unhöflichen Liebsten widerstandslos gewähren.

Hofdame Yvette: Miserable Zukunftsprognose. Toxische Beziehung vorprogrammiert. Noch vor der Ehe schlägt er dich.

Hofdame Veronique: WAS FÄLLT DIR EIN, SO ÜBER DEN VATER MEINER ZUKÜNFTIGEN ZWÖLF KINDER ZU REDEN?????

Hofdame Yvette: Bei dir sind echt Hopfen und Malz verloren!!!!!

Hofdame Veronique: Nachdem Palastdame Veronique auf derart uncharmante Art und Weise zur hintersten Bankreihe bugsiert wurde, lässt Monsieur Sans Manières ihre Schultern los.

Hofdame Sylvie: Wooooow, ein Gentleman.

Hofdame Veronique: Ich muss im Mittelgang stehenbleiben, Augen geradeaus zum Chor gerichtet. Anschließend die Paranoia, ob sich in der Basilika womöglich weitere Personen aufhalten. Siebenmal, Mädels, siebenmal schleicht ein menschlicher Spürhund leise herum.

Hofdame Sylvie: Psycho.

Hofdame Veronique: Innerlich kochend plant Veronique, ihn zornig zur Rede stellen.

Hofdame Chantal: Eeeeennnnndlich!!!!!

Hofdame Veronique: Indes hindert ein kraftvoll aufgedrückter linker Zeigefinger ihren Mund daran. Sie gehorcht. Totenstille. Plötzlich vibriert sein Smartphone.

Hofdame Yvette: Wer rief an?

Hofdame Veronique: Irgendein militärischer Vorgesetzter. „Jawohl, Herr Oberst, ‚St. Petrus und Marcellinus‘ menschenleer! Siebenmal hintereinander alle Winkel und Ecken durchsucht, Herr Oberst! Darf ich die Hofdame Veronique nun aufklären, Herr Oberst?“

Hofdame Sylvie: Ich verstehe gar nichts mehr.

Hofdame Veronique: Allem Anschein nach hegt jener Soldat weitaus mehr Misstrauen als der eigener Datingpartner. „Jawohl, Herr Oberst!“ Männlich dominant gebietet Flori mit durchdringenden blauen Augen: „Veronique, du bist jetzt ein braves Mädchen. Und brave Mädchen tun, was man ihnen sagt. Du bleibst weiterhin hier stehen, so wie jetzt, rührst dich nicht vom Fleck, bis ich wieder bei
dir bin!“
Eindringliche Blicke wie hypnotisiert erwidernd hauche ich: „Oooooh, Floooooooooori, ich tue was immer du verlangst! Oooooh, Floooooooooori, ich werde auf dich warten, egal wie lange!“ Oh mein Goooooooooooooooooooott, trotz massiven Macho-Verhaltens fühle ich mich voll und ganz in meiner weiblichen Essenz!!!!! So wie noch niemals zuvor!!!!!Vielleicht gerade deshalb?????

Hofdame Chantal: Meine Omas schwärmen immer wieder begeistert vom Jahr 1968. Als Studentinnen marschierten sie im Kampf gegen autoritäre patriarchalische Strukturen bei jeder Demo ganz vorne in der ersten Reihe. Deutschlands Feminismus. Kläglich gescheitert.

Hofdame Yvette: Krasse Story.

Hofdame Chantal: Brauche zur Gemütsberuhigung erstmal nen gehörigen Schluck aus der Sonnenuntergangspulle. James Bond Filme, pillepalle dagegen.

Prost!

15. 05. 2026

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