Fotogeschichten

III – #2 – RR

Szene II: Fragestellerin

Nathalie: Juliette weint, hört bitte auf, sie zu demütigen! Komm, Süße, ich drücke dich gaaaaannnnnz dolle!

Juliette: Es tut so unendlich guuuuuuuuuut!!!!!

Nathalie: Alles rauslassen, Süße, alles rauslassen, bin bei dir. Hier, ein Taschentuch.

Juliette: Daaaaaaaaaannnnnnnnnnke!!!!!

Coralie: Sie presst sich an Nathalie.

Madeleine: Ihr gesamter Körper bebt.

Céline: Tut uns leid Süße, bitte, verzeih deinen Freundinnen!

Aurélie: Es war niemals unsere Absicht, dich in irgendeiner Weise zu kränken!

Madeleine: Seht, Juliette lächelt.

Céline: Wie schööööön.

Juliette: Vergeben und vergessen, Mädels. Ich weiß auch nicht, was mit mir geschah, irgendwie brach es mit voller Wucht emotional hervor; urplötzlich, ohne jede Vorwarnung, fühlte mich schrecklich orientierungslos und hilfsbedürftig zugleich.

Céline: Glaube, wir alle werden daheim noch viel Zeit benötigen, um Schloss Philippsruhe wirklich verarbeiten und danach einen endgültigen Schlussstrich ziehen zu können.

Coralie: Dito. Haltet euch stets vor Augen, jener sechsmonatige Aufenthalt hat unser Leben mehr geprägt als dreizehn Schuljahre, inclusive dank Corona verpfuschter Oberstufenzeit.

Aurélie: Kannst du echt laut sagen.

Nathalie: Wollen wir los?

Coralie: Ja, auf geht’s!

Aurélie: Schlage vor, wir laufen zunächst jeweils eng zu zweit; wollen schließlich niemanden im Weg stehen.

Nathalie: Prima Idee. Sich von hinten nähernde Radfahrer, Jogger beziehungsweise Spaziergänger, die etwas mehr Tempo drauf haben, schaffen es dann zügiger an uns vorbei.

Céline: Madeleine und ich spielen mal Vorhut.

Nathalie: Ja, geht uns mutig voran.

*****

Céline: Du…im Vertrauen…ganz unter uns…fühlte sich dein Körper eben auch so innerlich aufgewühlt an?

Madeleine: Du…im Vertrauen…ganz unter uns…ich wollte eigentlich gar nicht Hipp hipp hurra! rufen. Irgendetwas fuhr in mich.

Céline: Bei dir auch?

Madeleine: Es geschah eindeutig gegen meinen freien Willen. Exakt DIESER Moment, als Coralie ihren feudalen Huldigungsruf ausstieß, löste unwillkürlich etwas in mir aus, und eine undefinierbare Macht nahm Madeleine in ihren Besitz. Verzweifelt versuchte sie, beide Lippen fest zusammenzupressen, indes, der jäh emporschießende Drang, Dennis Kevins absolutistische Herrlichkeit JETZT unbedingt preisen zu wollen, unbeherrschbar.

Céline: Ich danke dir, Süße, für deine Offenheit.

Céline: Pst. Jetzt gestehe ich dir einfach mal etwas ganz Freches.

Madeleine: Pst. Bin ganz Ohr.

Céline: Im Nachhinein ärgert mich unsere voreilig getroffene Entscheidung maßlos.

Madeleine: Voreilig. Ooooohhh, ja!

Céline: Wann und wo findet nochmal die Republic National Convention statt?

Madeleine: Vom 15. bis 18. Juli in Milwaukee, Wisconsin.

Céline: Trump. Tatsächlich wieder im Rennen. Seit dem Super Tuesdsay am 05. März gilt er dort als gesicherter Kandidat. Als die Nachrichtenmeldungen reinkamen, vermuteten Bernadettes ehemalige Ehrenjungfern zuerst drittklassige höfische Scherze.

Madeleine: Bernadette war sich beim Verkünden ihrer kruden Prophezeiung hundertprozentig sicher gewesen. Trotz heftigen Fieberwahns!!!!!

Céline: Süße, du überbewertest. Die Chancen für Trumps erneutes Antreten – rein rechnerisch bereits zu unserer Hofdamenzeit bei exakt 50:50. Entweder er tut’s oder er lässt’s bleiben. Demzufolge hätte unsere fiebrig schwitzende Constanze genauso erfolgreich das genaue Gegenteil keuchen können. Vereinfacht ausgedrückt: Anders als der berüchtigte Schock, käme Donalds zweite Kandidatur im Juli nicht wirklich aus heiterem Himmel.

Madeleine: Andererseits, Stichwort Himmel, in Hanau hat man uns auch jede Menge Blödsinn erzählt. Bestes Beispiel, Dennis Kevins Wettergarantie, mit der anfangs acht Frischlingen gegenüber stolz angab.

Céline: Nachträglich betrachtet, total manipulatives Verhalten.

Madeleine: Seine Durchlaucht prahlte, an 362 von 365 Tagen im Jahr scheine in der Grafschaft Hanau-Münzenberg und Umgebung von morgens bis abends die Sonne.

Céline: Leicht widerlegbares Geschwätz. Welches Wetter herrschte vorhin auf dem Parkplatz des früheren Strandbades?

Madeleine: Dichte Bewölkung. Ein Durchkommen der Sonne ganz und gar unmöglich.

Céline: Hat sich -während wir uns gerade auf dem asphaltierten Weg entlang des Kiesgrubenzauns bewegen- an dieser dicken Wolkendecke eventuell doch noch Entscheidendes verändert?

Madeleine: Das Tagesgestirn will wohl schon irgendwie durch, schafft’s aber definitiv nicht.

Céline: Und daran wird sich vorerst nichts ändern, verkündet die App: In Nieder-Roden ist die Sonne den ganzen Tag über nicht zu sehen.

Madeleine: Geht schon fast zwei Wochen so. Nur Grau in Grau.

Céline: Später freilich relativierte er das Ganze geschickt, bezog seine Aussage auf ein angeblich gewaltiges meteorologisches Wunder, geschehen vor unserer Ankunft in Versailles.

Madeleine: Der huldvolle Ludwig XIV., umgeben vom strahlenden Herrscherglanz, hätte der Grafschaft Hanau-Münzenberg vom Paradies aus im Zeitraum von September 2021 bis August 2022 nachweislich 362 Tage mit maximaler Sonnenstundeanzahl gewährt; und dank Gottes Gnade hätte trotz damit einhergehender extremer Trockenheit stets Grundwasser im Überfluss existiert.

Céline: Nur um meteorologisch auf Nummer sicher zu gehen. Was sagt deine kluge App zur Anzahl der Sonnenstunden am hiesigen Standort?